Für die Verwendung als Baustoff eignen sich neben den Primärrohstoffen auch einige Abfälle. Dazu zählen einzelne mineralische Abfälle, welche sowohl bei der Müllverbrennung, während Bauvorhaben, bei industriellen Vorgängen oder in der Produktion von Stahl und Eisen angefallen sind. Eine entsprechende Aufbereitung ermöglicht die Wiederverwendung als mineralischer Ersatzbaustoff.

Mit dem Inkrafttreten der ErsatzbaustoffV am 01. August 2023 ist der Begriff des mineralischen Ersatzbaustoffs in § 2 der Verordnung geregelt. Demnach stellt dies einen mineralischen Baustoff dar, welcher als Nebenprodukt oder Abfall bei Baumaßnahmen anfällt und sich unmittelbar oder nach entsprechender Aufbereitung aus umwelttechnischer und bauphysikalischer Sicht zum Einbau in technische Bauwerke eignet.

Insbesondere die Parameter, welche aus umwelttechnischer Sicht relevant sind, werden in der ErsatzbaustoffV geregelt. Darin finden sich Schadstoffgrenzwerte, welche für den Einbau der Sekundärrohstoffe eingehalten werden müssen.

LAGA PN 98 Bodenschulung

Allgemeine Informationen zu Ersatzbaustoffen:

Welche Bedeutung haben mineralische Ersatzbaustoffe?

Mineralische Abfälle stellen in Deutschland den mengenmäßig größten Abfallstrom dar. Da diese ohnehin als Abfall anfallen, erübrigt sich durch die Aufbereitung und Verwertung dieser Materialien die ansonsten unumgängliche Entsorgung. Durch die in der Ersatzbaustoffverordnung geregelte Güteüberwachung können diese mineralischen Ersatzbaustoffe Primärrohstoffe wie Sande, Kiese oder Splitt ersetzen. Demzufolge leisten die aufbereiteten mineralischen Abfälle einen entscheidenden Beitrag zur Kreislauffähigkeit der Bauwirtschaft und können die Kosten eines Bauvorhabens reduzieren. Dabei unterliegt die Verwendung von mineralischen Ersatzbaustoffen allerdings dem umweltpolitischen Zielkonflikt der Förderung der Kreislaufwirtschaft zur Schonung der natürlichen Ressourcen unter der Eingrenzung, dass Mensch und Umwelt, insbesondere der Boden und das Grundwasser, geschützt werden müssen.

Mineralische Ersatzbaustoffe werden häufig als Sekundärrohstoffe bezeichnet, da diese heutzutage in großen Maßen Primärrohstoffe ersetzen und vielerorts die begrenzten Deponiekapazitäten entlasten.

Welche Ersatzbaustoffe gibt es?

Mineralische Ersatzbaustoffe können aus verschiedenen Abfällen und Nebenprodukten durch Recycling hergestellt werden. Dazu gehören:

Der bei Abgrabungen und Bauarbeiten anfallende Erdboden kann bei Einhaltung der Materialwerte in Hinterfüllungen von Arbeitsräumen oder zur Aufschüttung von Flächen wiederverwendet werden. Damit Bodenaushub neben Geländeanpassungen und Böschungen auch im Straßenbau eingesetzt werden kann, müssen die entsprechenden geotechnischen und bodenmechanischen Eigenschaften sichergestellt sein.

Dieses Abfallprodukt entsteht bei der Verbrennung von Hausmüll. Die Asche setzt sich unter anderem aus mineralischen Bestandteilen wie Schlacken, Sanden oder Kies zusammen und kann als Zuschlagstoff für zementgebundene Materialien wie Beton oder in Asphalt als mineralischer Ersatzbaustoff wiederverwendet werden.

Wenn Beton- oder Ziegelbruch bei einem Abbruchvorhaben getrennt gesammelt und anschließend aufbereitet werden, kann dieses Material als mineralischer Ersatzbaustoff wiederverwendet werden. Dabei spielt Betonbruch insbesondere als Zuschlagstoff für neuen Beton eine entscheidende Rolle und kann in loser oder gebrochener Form auch als Recyclingschotter im Erdbau eingesetzt werden.

Bodenschulung
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Beim Entfernen oder Abfräsen von Asphalt auf Straßen kann dieses Aufbruchmaterial recycelt und als mineralischer Ersatzbaustoff wiederverwendet werden. Dabei besteht die Möglichkeit der Wiederverwendung im Heißrecycling unter Zugabe von Zusatzstoffen wie Bitumen oder dem Kaltrecycling. Dafür muss der Straßenaufbruch zerkleinert und mit Bindemitteln vermengt werden, um eine neue Asphaltmischung herzustellen, welche anschließend im Straßenbau wiederverwendet werden kann.

Dieses Material entstammt dem Unterbau von Eisenbahnschienen und kann demzufolge nach längerem Gebrauch Verschleißspuren aufweisen oder mit Arsen, Quecksilber, Kupfer oder Chrom versetzt sein. Demzufolge muss dieses Material aufbereitet werden, um anschließend als mineralischer Ersatzbaustoff wiederverwendungsfähig zu sein.

Wie werden mineralische Ersatzbaustoffe hergestellt?

Damit angefallene mineralische Abfälle wiederverwendet werden können, müssen diese häufig aufbereitet werden.
Die Herstellung von mineralischen Ersatzbaustoffen ist im 3. Abschnitt der ErsatzbaustoffV geregelt und unterliegt einer überwachten Gütesicherung. Entsprechende allgemeine Anforderungen finden sich in § 4 EBV.

Mineralische Ersatzbaustoffe können sowohl in stationären als auch in mobilen Aufbereitungsanlagen hergestellt werden. Diese Einrichtungen sorgen für die Behandlung der mineralischen Stoffe. Außerdem sortieren, trennen, zerkleinern, sieben, reinigen und kühlen diese Einrichtungen die mineralischen Stoffe.

Wo werden mineralische Ersatzbaustoffe eingesetzt?

Die Anwendungsmöglichkeiten von güteüberwachten mineralischen Ersatzbaustoffen können vielfältig sein. Die nachhaltigen Alternativen zu Primärbaustoffen können sowohl im Erd- und Deponiebau, aber auch im Straßenbau sowie bei der Herstellung von Beton eingesetzt werden.

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Allein im Deponiebau finden verschiedenste Ersatzbaustoffe Anwendung. Die Einsatzmöglichkeiten lassen sich allerdings nach Hochwertigkeit abstufen. Beim Einbau sind insbesondere technische Bauwerke im Tiefbau, Schienenverkehrswegebau, befestigte Flächen, Leitungsgräben sowie Lärm- und Sichtschutzwälle von den Änderungen infolge der ErsatzbaustoffV betroffen.
Die EBV ermöglicht überdies auch die Verwendung von Ersatzbaustoffen in spezifischen Bahnbauweisen.